Kwaheri

Bye bye Kenia. Es ist leider meistens so: Gerade wenn man sich so richtig eingelebt hat, muss man auch schon wieder gehen. Das letzte Wochenende hier in Kenia war richtig schön und war ein gelungener Abschluss einer wunderbaren Zeit.

Crying stone

Am Samstag ging es mit einigen Malaika Kindern zum Crying stone, der hier in der Gegend sehr bekannt ist. Da es an vielen Tankstellen keinen Sprit mehr zu kaufen gab, haben uns Willy und Nelphine dort abgeladen und ich bin alleine mit den Kindern die Felsen empor geklettert. Während den ersten 10 Minuten unser kleinen Wanderung waren keinerlei Felsen zu sehen doch auf einmal erstreckte sich eine riesige Fels Formation vor uns- der sogenannte Crying Stone.

Der Sage nach gab es eine Königin, die eine schlechte Tat getan hatte und deshalb nach Ägypten verbannt wurde. Dort weinte sie sehr und bat Gott darum, einfach zu einem Stein zu erstarren, um von ihrer bösen Tat befreit zu werden. Und so weint sie heute in Kenia.

Church

Am Sonntag morgen besuchten wir die Kirche, der Willy hier angehört. So ging es mit einigen Malaika Kindern die 500m hinunter zur Kirche. Ich war beeindruckt von der Besucherzahl. Obwohl es hier an jeder Ecke Kirchen gibt, füllten beinahe 1000 Leute das Kirchengebäude.Schade das es in Deutschland leider nicht so aussieht :(. Es war für mich während meiner Zeit hier generell sehr beeindruckend, wie viele Menschen in Kenia Christen sind. Und sie nennen sich nicht nur Christen, sondern man kann an ihrem Verhalten an ihren Gebeten, dem Gesang und der Lebensfreude spüren, dass Jesus in ihnen lebt.

Wir nahmen mitten in einer Schar von Kindern Platz. Da es richtig voll war, quetschten sie sich alle auf die kleine Kirchenbank. Die meisten Kinder konnten ihren Blick nicht von mir abwenden und starrten mich mit großen Augen an. Alle waren gut gekleidet, die Herren mit Anzug und Krawatte, die Frauen und Kinder mit Kleidchen. Zwar verstand ich nur die Worte Mungu (Gott), mbwana(Herr) und Amena (Amen), dennoch war der ganze Gottesdienst sehr spannend für mich. Ein großer Chor stimmte uns in die Lieder ein. Es wurde viel gesungen und eine lange Predigt wurde gehalten. Danach folgen die Opfergaben. Erst in Form von Geld danach mit Lebensmitteln. Ich war beeindruckt, wie viel die Leute hier spendeten. Mit den Spenden hätte man gut eine Woche jeden Tag großzügige Mahlzeiten zubereiten können oder einen ganzen Erntedank-Altar gestalten können. Eine riesige Bananenstaude, Wassermelonen, zahlreiche Packungen Maismehl, einen Kanister voll Öl und sogar zwei lebendigen Hühner wurden gespendet. Da musste ich mir ein wenig das Lachen verkneifen. Natürlich wurde Willy am Ende des Gottesdienstes noch nach vorne gebeten, um ein paar Worte zu sagen. Nach 2 1/2 Stunden war die Feier schließlich zu Ende. (Ich hatte mich sogar auf 3-4 Stunden eingestellt 😂) Wir begrüßten schließlich noch die Hauptmitglieder der Gemeinde und gingen dann wieder zurück nach Malaika.

Während meiner Zeit in Malaika las ich Willys Biographie. Es hat mich sehr inspiriert, wie viel er in Afrika bewegen konnte und wie Gott ihn gebrauchen konnte. Ich bin mir sicher, dass das nicht der letzte Einsatz für mich war und das noch Weitere auf dem afrikanischen Kontinent folgen werden. Auf meinen Glauben sollen noch viele weitere Taten folgen und die Liebe Gottes, die in mir ist, möchte ich noch am viele Kinder ausschütten. Ich habe nun mein Herz an ein weiteres afrikanisches Land verloren. Kenia 🇰🇪! Die Menschen mit ihrer herzliche Wärme, der Lebensstil hier, die Natur und vieles mehr zieht einen hier in den Bann. Für mich war die Zeit hier eine enorme Bereicherung. Mein Glaube konnte gestärkt werden und ich durfte das Gute, das ich empfangen habe, an die Kinder weitergeben.

Ich kann jedem nur empfehlen einmal im Leben, das Abenteuer Afrika zu wagen und sich in eine ganz andere Welt zu begeben. Ganz nach Willys Buchtitel kann man sagen: „Wage das Leben und verlasse dein Haus“

Hakuna Matata

Ein berühmtes afrikanisches Sprichwort und hier manchmal ganz sinnvoll. Letztens bestellten Nelphine und ich gemeinsam ein picky picky (Motorrad), um nach Kakamega zu fahren. Als wir auf den schlechten Straßen mit unserem Fahrer beinahe am Hang steckengeblieben sind, dachte ich mir einfach nur: „mach dir keine Sorgen, alles wird gut” -Hakuna Matata

Kakamega Forest

Ein kleiner Traum wurde war. Wir besuchten den Regenwald, der sich hier gleich an der nächst gelegenen Stadt erstreckt. Nach dem Frühstück verließen wir mit 15 Mädels und 15 Jungs Malaika. Wie das hier halt so ist war der Fahrer nicht aufgetaucht und so warteten wir erstmal eine Stunde, bis Nelphine beschloss selbst zu fahren. Und so fuhren wir einfach los. Ich liebe es einfach wenn die Kinder im Bus singen und Gott mit ihren Liedern loben. In solchen Momenten spürt man einfach, wie viel Dankbarkeit aus ihnen spricht, dass Gott sie gerettet hat und sie nun in Malaika leben können. Da die Regenzeit bereits voll im Gang ist, gibt es nachts immer heftige Regenschauer. So bangte ich bei jedem Schlagloch, das wir wegen der schmalen Straße leider immer durchqueren mussten, das wir nicht stecken bleiben würden. Ein Glück hat der Bus gute Arbeit getan. In einer kleinen ländlichen Siedlung kauften wir noch Brot und Getränke für die Kinder. Dieser Markt, den wir dort durchquerten war wirklich das afrikanischste Erlebnis, das ich je hatte. Überall wurde ich angesprochen, gegrüßt, fremde Gerüche von Essen und Staub, Gedränge, picky picks (Motorräder) Kühe, Hühner, Ziegen und so viel mehr Eindrücke wirkten gleichzeitig auf mich ein. Nach einer kurzen Weiterfahrt, erreichten wir schließlich den Regenwald. Kurz bevor es in das Grün hineinführte wurde überall Tee angebaut. Im Wald wurden wir dann gleich von den Affen begrüßt.

Ein freundlicher Guide führte uns durch das Dickicht und erklärte uns interessante Dinge über den Wald. Die Wurzeln der gigantisch großen Bäume dort sind gar nicht tief, da Nährstoffe und Wasser auch an der Oberfläche vorhanden sind. Wir fanden Blätter mit denen man sich die Nägel feilen konnte und ich probierte eine „Rainforest Banana“ und schließlich noch das berühmte Zuckerrohr, das hier in Kenia großflächig wächst und zu Zucker verarbeitet wird. Als der Guide schließlich von den verschiedenen Schlangenarten im Wald sprach z.B der Rainforest Mamba oder der Golds Cobra wurde mir etwas mulmig aber der Guide versicherte mir, dass die Schlangen nicht auf den Wegen wären. Also Hakuna Matata 😂Hab zum Glück keine gesehen.

Nach einer kleinen Vesperpause ging es mit einigen Malaika Kindern noch zu einem herrlichen Aussichtspunkt. Wir bestiegen den Lirhanda hill, wo wir über den Regenwald hinwegsehen konnten.Danach fuhren wir mit fröhlichem Gesang und Getrommel wieder nach Hause.Trotz unser verspäten Abfahrt am Morgen schafften wir es zum Glück rechtzeitig vor dem Starkregen zurück zu sein.

Kitale

Ein weiteres großes Abenteuer stand bevor. Um 4 Ihr morgens stand ich mit 14 der älteren Malaika Kinder auf. Dann fuhren wir mit dem Bus 2 Stunden ins Hochland nach Kitale. Dort hat Asuna einige Grundstücke, um Mais und Bohnen für Malaika anzupflanzen. Im März ist die richtige Zeit um zu pflanzen, da nun die Regenzeit beginnt und es fast täglich regnet. So müssen der Mais und die Bohnen nicht bewässert werden und können gut wachsen. Ich wollte auf jeden Fall helfen zu pflanzen, damit die Kinder täglich genug essen auf den Tisch bekommen. So fingen wir schließlich um 9 Uhr morgens an.

Es war bereits furchtbar heiß und ich begann mit den anderen Mädchen, Dünger in die Furchen zu streuen, einige Frauen setzten in kleinen Abständen die Saat und die Jungs hackten die Furchen zu. Leider leider musste ich schon nach einer Dreiviertelstunde das Arbeiten abbrechen. Meine bleiche Haut war die starke Sonne einfach nicht gewohnt und so hatte ich mir einen ordentlichen Sonnenstich zugezogen. Nachdem ich mein Frühstück auf dem Acker lassen musste setzte ich mich beschämt in den Schatten. Ich fühlte mich sehr schlecht, nicht bei der Arbeit mithelfen zu können und lediglich mit Zusehen zu können. Der freundliche Busfahrer setzte sich zu mir und munterte mich ein wenig auf. Er sagte er sei beeindruckt, wie viel Liebe ich den Kindern jeden Tag in Malaika geben würde. Er meinte man würde es mir ansehen, dass ich ein Herz für Menschen in Not hätte und das ich sonst ja nicht hier wäre. Er hatte eigentlich recht. Ich brauchte mich nicht schlecht zu fühlen, da ich sicherlich schon viel Gutes nach Malaika bringen konnte. Der Busfahrer brachte mich schließlich zurück zur Farm. Nach und nach ging es mir immer schlechter. Ich hatte Fieber bekommen und hatte kaum Kraft vom Bus zurück ins Haus zu gehen. Mama Lilly empfing mich ganz freundlich und brachte sofort einen Eimer, um mir die dreckigen Füße zu waschen. Wäre ich völlig gesund gewesen, hätte ich mich so schlecht gefühlt aber im diesem Moment war ich ihr einfach nur unglaublich dankbar und sagte es ihr ganz oft. Sie meinte nur, dass sie für heute meine Mama sei und ich mir keine Sorgen machen sollte. Danach brachte sie mich sofort ins Bett, wo ich erstmal schlief. Ich war einfach überwältigt von der Gastfreundschaft der Leute hier. Ich hatte nicht bei der Arbeit geholfen und trotzdem hatten sie mich rund um gut versorgt und hatten ganz viel Verständnis für mich. Gastfreundschaft hier in Kenia wird auf jeden Fall deutlich mehr gepflegt als in Deutschland. Ein Glück, denn so konnte ich mich schnell wieder erholen.

Es freut mich sehr, dass du so fleißig meinen Blog verfolgst 🙂 PS: check gerne auch die Galerie im Menü aus. Ganz unten auf der Seite sind dann immer die neusten Bilder.

Bis Bald Amelie

Schule

Lustigerweise heißt Schule auf Kisuaheli auch Schule. Malaika besitzt eine eigene errichtete Schule die nur 300m vom Kinderheim entfernt ist. Schon der Weg zur Schule ist jeden Morgen ein Erlebnis. Ich genieße es immer sehr etwas von der Gegend zu sehen, wenn man auf der steinige Straße entlanggeht. Teilweise leben die Leuten in Blechhütten, einige haben auch befestigte Häuser aus Lehm oder Stein. Schon von weitem rufen die Leute: „mzungu, mzungu!“ Das heißt übersetzt weiße Frau. Einige Menschen hier Mustern mich mit verwirrten Blicken. Die Meisten sind aber sehr freundlich und freuen sich, wenn ich ihnen auf der Straße begegne. So kam es das ich sogar einmal zum lunch eingeladen wurde. Das Leben spielt sich hier immer draußen ab. So gibt es immer viel zu sehen.

Die Primary school namens Stefano Academy, an der ich unterrichte ist auch offen für Kinder aus dem Dorf und Umgebung. Das Schulsystem wird auch 8-4-4 genannt, also 8 Jahre Grundschule, 4 Jahre Secondary school und 4Jahre College. Die Secondary school sowie der Kindergarten sind an die Schule angegliedert. Gerade wird das Schulsystem in ganz Kenia umgestellt. Gerade in den letzten Schuljahren sollen die eigenen Interessen der Kinder gefördert werden und handwerkliche sowie praktische Arbeiten gelehrt werden. Ich denke das ist ein großer Vorteil, da die Kinder so das erlernen können was ihnen Spaß macht.

Es wird besonders darauf geachtet, dass in einer Klasse maximal 30 Kinder sind, was mich sehr freut. Im Vergleich zu meinen bisherigen Unterrichtserfahrungen in Südafrika, wo ich teilweise 50-60 Kinder in einem kleinen Klassenraum unterrichtet hatte, ist hier deutlich zu merken wie sehr die Schüler/innen aber auch die Lehrkraft von der Klassengröße profitieren. Die Kinder sind sehr aufmerksam, es gibt nur wenig Störungen und Unterbrechungen und die Kinder haben genug Platz auf ihrer eigenen Schulbank konzentriert zu arbeiten. Die guten Bedingungen in der Schule zahlen sich aus. Der Direktor erzählte mir, dass die Schule im nationalen Ranking in Kenia auf Platz 27 von 300 liegt. Richtig gut !

Obwohl die Kinder eigentlich nicht gezwungen werden rasieren sie sich für die Schule alle die Haare und tragen natürlich ihre Schuluniform. In den Klassen findet man ganz unterschiedliche Altersklassen. Das liegt daran, dass viele Kinder lange Jahre nicht zur Schule gegangen sind. Zum Beispiel weil sie zuhause helfen mussten, die Familie zu versorgen, weil sie auf der Straße gelebt haben oder weil die Familie kein Geld hatte die Schulgebühren zu bezahlen. Glücklicherweise gibt es genug Spendengeldern, sodass für jedes Kind in Malaika die Kosten der Schulgebühren gedeckt werden können.

Enducation is the key ist hier das Motto fürs Lernen. Das wird auch immer wieder von allen Mitarbeitern in Malaika betont, wenn Ansprachen gehalten werden. Ohne Bildung haben die Kinder keine Perspektive. Es gibt keine Sozialhilfen vom Staat, keine Unterstützungssysteme, die sie später unterstützen können. Sie sind auf sich allein gestellt. Zudem werden die Kinder hier in allen Fächern auf Englisch unterrichtet, denn das ist Voraussetzung für einen guten Job. Natürlich haben die Kinder auch Kisuaheli als Fach. So habe ich mich an einem Vormittag mal in eine Unterrichtsstunde mit hineingesetzt, leider aber kaum ein Wort verstanden um was es ging 😂Na ja ich übe eben noch.

Mit der Stundenaufteilung läuft alles ein wenig gelassener als in Deutschland , zwar gibt es einen Stundenplan, allerdings ist der Lehrer dann fertig, wenn er fertig ist. So kann es sein, dass schon die Schulglocke von einem Kind geläutet wird aber die meisten Klassen noch mitten im Unterricht sind.

Da Deutsch durch die Umstellung des Schulsystems bald fest in den Stundenplan integriert werden soll unterrichte ich jeden Tag 2 Klassen in Deutsch. Nikolas, der im April für 5 Monate hier sein wird, wird den Unterricht dann übernehmen. Wir behandelten bereits Themen wie Begrüßung, Wetter, Wochentage, Einkaufen, Körperteile usw. Was mich besonders glücklich macht ist, dass ich deutlich sehen kann wie viel Freude den Kinder der Unterricht macht. Ich versuche natürlich immer kreative Unterrichtsmethoden wie Lieder, Bilder und Lernspiele zu verwenden, damit die Kinder motiviert belieben. Zur Begrüßung habe ich mir einen Klatschsong ausgedacht, den viele Kinder oft fröhlich am Nachmittag hier in Malaika singen. Es ist erstaunlich wie viel sich die Kinder bereits merken konnten. Das sehe ich immer daran, wenn mir hier in Malaika ein Tschuss (ü ist schwer für die Kinder☺️) ein Schlaf gut zugerufen wird. Es wurde mir ans Herz gelegt auch Tests zu schreiben, dass die Kinder motiviert bleiben. Ich bin sicher die Kinder werden grandios abschneiden!

In Religion hier CRE (=Christian Religion enducation) genannt darf ich auch einige Stunden unterrichten. Da Ostern naht habe ich mich entscheiden in mehreren Etappen mit den Kinder dieses Thema durchzunehmen und mit Ihnen in der Bibel gemeinsam nachzulesen. Es ist wunderbar, dass ich gerade die wichtigste Botschaft des Glaubens an die Kinder vermitteln darf. Das Gott sie so sehr liebt, dass er seinen einzigen Sohn gab und er ihre Sünde auf sich nahm und am Kreuz vernichtete. (vgl. Joh 3,16)

Watoto

Kinder (auf Kisuaheli)-Gott gab mir für meine Arbeit hier einen Bibelvers mit auf den Weg, den ich eines Abends in meiner Bibel fand. Er passt hervorragend zu meinem Ziel, das ich hier in Malaika Verfolgen will: „Deshalb, lasst uns einander lieben: nicht mit leeren Worten sondern mit tatkräftiger Liebe und mit aller Aufrichtigkeit.” 1. Joh 3,18 Am nächsten Tag las ich in meinem Andachtsbuch einen Text über göttliche Berührungen, der davon sprach, dass Berührungen schlimme Dinge wie Missbrauch und Gewalt anrichten können. Aber unsere Hände können auch wunderbare Dinge bewirken, wenn sie von Gottes Liebe motiviert sind: Aufmuntern, unterstützen, trösten, fröhlich machen…. Die Kinder hier in Malaika sind alle außerordentlich temperamentvoll und mein Herz geht jedes Mal auf, wenn ich sie glücklich machen kann und sie strahlen sehe. Diese Kinder haben es verdient geliebt zu werden, weil das lange Zeit keiner tat!

Nun möchte ich euch einzelne Kinder genauer vorstellen, damit ihr ein Bild davon bekommt aus welchen Verhältnissen die Kinder hier kommen.

Valerie

Valerie ist 14 Jahre alt und ist schon seid sie klein ist gehörlos. Da sich lange keiner darum gekümmert hat, konnte ihr Gehör auch nicht durch mehrere Operationen wieder hergestellt oder verbessert werden. Sie beeindruckte mich gleich am ersten Tag mit ihrer tollen Ausstrahlung, ihrem breiten Lächeln und ihrer Begeisterung, die sie für Dinge aufbringen kann. Ich war außerordentlich beeindruckt, wie gut sie sich mit den anderen Kindern per Gebärdensprache verständigen konnte und alle anderen Kinder mit ihr problemlos kommunizieren konnten. Da ich leider nicht so fit bin in Gebärdensprache brachten mir die anderen Kinder wichtige Schlüsselwörter bei.

Valerie

Es ist wunderschön, wie gut sie in die Gruppe integriert wird und an allen Aktivitäten teilnimmt. Als wir an einem Nachmittag zusammen mit den anderen Kinder auf der Wiese zu Afrikanischer Musik tanzten, war ich beeindruckt, wie exakt sie sich auf den Beat bewegte. Sie fühlt eben die Musik. Für ihre Schulausbildung an einer nahegelegenen Spezialschule wünsche ich ihr nur das beste. Ich hoffe sie kann noch weitere Menschen mit ihrer Lebensfreude anstecken und ihre Träume verwirklichen.

Theresa

Mit ihrer offenen Art viel sie mir gleich in der großen Gruppe auf. Theresa war die Erste, die mich mit Fragen löcherte, die mir neue Dinge zeigte und die mit mir ein Gespräch anfing. Sie half mir an einem Spielenachmittag die Anweisungen auf Kisuaheli zu übersetzten und ich zeigte ihr im Fluss, wie man schwimmt. Sie erzählte mir eines abends plötzlich von sich aus ihre Geschichte und wie sie nach Malaika kam. Als kleines Mädchen wurde sie von ihren Eltern am Straßenrand ausgesetzt und von einer alten Frau gefunden, die sie liebevoll ihre Großmutter nennt. Sie brachte sie schließlich 2016 nach Malaika. Zum Schluss unseres Gesprächs sagte sie zu mir, dass sie für ihre Eltern bete, obwohl sie sie so schlecht behandelt haben. Diese Aussage hat mich sehr beeindruckt. Es hat mich so gefreut, dass sie mir so etwas Privates anvertraut hat und mit mir geteilt hat. Theresa ist 14 Jahre alt und kommt nun in die secondary School, also in die 8. Klasse. Ich bin sicher sie wird einen guten Schulabschluss schaffen, da ihr Englisch weitaus besser ist als meins:D

Theresa und Ruth

Marisa

Die kleine Marisa ist mit gerade mal 7 Monaten das jüngste Malaika Kind. Sie ist hier die Queen und wird von allen Kinder immer betüttelt. Sie fühlt sich auf jedem Arm wohl, entwickelt sich gut und ist sehr aktiv. Ich war fassungslos, als mir Nelphine die furchtbare Geschichte der Kleinen erzählte. Sie wurde von einer Neunjährigen Mutter geboren, da diese von einem Verwandten sexuell missbraucht wurde. Das Mädchen hatte Marisa weggeben und so wurde sie schließlich ins Heim gebracht. Es ist ein kleines Wunder, dass die kleine Marisa vollständig gesund ist und keine Schäden von dieser schrecklichen Tat getragen hat. Ich hoffe, dass sie Trennung der Mutter bereits verkraftet hat, sich als kleiner Malaika (Engel) hier wohl aufgehoben fühlt und fröhlich aufwachsen kann.

Marisa

Da tagsüber meistens mehr jüngere Kinder um mich herum sind, habe ich mich riesig gefreut einen Abend nur mit den Teenager Mädchen zu verbringen. Es wurde mir ans Herz gelegt, mit Ihnen über frühe Schwangerschaften und Beziehungen zu sprechen, da dass in Kenia ein großes Problem darstellt. Wir hatten sehr viel Spaß zusammen und beendeten unsere Talk Runde mit Nagellack und Chai Tee, der in Kenia täglich getrunken wird.

Die Straßenkinder

Eine weitere Geschichte, die mich sehr betroffen gemacht hat, ist die der neuen Heimkinder. Eines Nachmittags brachte eine Schwester sie nach Malaika. Sie hatte gesehen wie die Kinder auf der Straße lebten und schliefen und hatte sie schließlich mitgenommen. Die beiden Mädchen und die 3 Jungen wirkten auf mich völlig verstört. Auch hier war bekannt, dass sie sexuellen Missbrauch erleiden mussten 😦 Doch die anderen Kinder nahmen sie freundlich auf, zeigten ihnen das Gelände und nahmen gleich am Programm bei mir Teil. Es machte ihnen offensichtlich sehr viel Spaß, mit den anderen Kindern Armbänder zu knüpfen und ich hoffe sie fühlten sich wertgeschätzt. Beim Abendessen aßen sie außerordentlich viel und den 3 Jungs lag nach und nach ein Lächeln auf den Lippen. Ich bin mir sicher sie werden hier gut ankommen und nach und nach immer mehr auftauen können, um einfach Kind zu sein. Ich freue mich dabei sein zu können, wie sie die ersten Tage hier verbringen und hoffe ich kann ihnen Mut machen und Freude schenken.

Es ist eindeutig, dass hier die meisten Kinder tiefe Wunden der Vergangenheit mit sich schleppen. Aber Malaika ist ein wunderbarer Ort, damit Gott ihre Wunden heilen kann.

Malaika

Nach meinem ersten Beitrag möchte ich euch nun das Kinderheim genauer vorstellen und euch von der genialen Nachhaltigkeit erzählen.

Malaika Kisuaheli und heißt übersetzt Engel. Ehemalige Straßenkinder, Kinder, deren Eltern an HIV/Aids starben und Kinder, die in sehr schlechten Familienverhältnissen aufwachsen finden in Malaika ein neues Zuhause. Nach dem Tod ihres Mannes versorgte Mama Maria neben ihren 11 eigenen noch 10 weitere Engel aus dem Dorf und nahm sie liebevoll bei sich auf. Als sie 1994 starb überlegten Willy und Asuna gemeinsam mit ihrer Familie wie man die Gutmütigkeit und den starken Glauben von Mama Maria bewahren konnte. So wurde schließlich ein Verein gegründet und Malaika hatte seine Geburtsstunde.

Das Kinderheim bildet durch das abgezäunte Gelände einen geschützten Raum für die Kinder. Das Eingangstor wird Tag und Nacht bewacht. Neben dem Eingang befindet sich das Office und gleich neben dran die Schlafräume der Mädchen. Es gibt eine große renovierte Küche, die dank der schwarzwäldischen Kuckucksuhr auch Black Forest Kitchen genannt wird. Der Koch und sein Team versorgt uns jeden Tag hervorangend mit frischen Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten und zaubert leckere Gerichte. Der Tiefkühlspinat aus Deutschland kann gegen den frischen Spinat hier auf gar keinen Fall ankommen, er schmeckt herrlich hier ! Von der Küche gibt es eine direkte Durchreiche zum Dining Room. Abends proben die Kinder hier öfters Songs und Tänze für einige Auftritte. Auch ich werde häufig mitgenommen, um mitzumachen. Es ist ein riesiger Spaß für mich, bei dieser guten Stimmung mittendrin dabei zu sein. Mit den traditionellen Trommeln, den Rhythmen und den kisuaelischen Gesang kann man ganz in die afrikanische Kultur eintauchen. Neben der Küche gibt es sogar eine Bäckerei, wo hauseigenes Brot gemacht wird und zum Teil für 5 Schilling in Kakamenga verkauft wird.

Ein perfekter Platz, um die Kinder zu versammeln ist die sogenannte Schneider Hall. Sie besitzt sogar eine Bühne. Hier kann gesungen getanzt oder während der Ferien auch gelernt werden. In mitten der Gebäude gibt es eine Wiese mit einer Kapelle, einer Arche zum klettern und einen tiefen Brunnen, der das Kinderheim mit Wasser versorgt. Hinter den Häusern befindet sich ebenfalls eine große Wiese, auf der wir häufig Fußball spielen und die Ziegen grasen Können. Von ihnen werde ich auch jeden Morgen freundlich geweckt 😂

Man könnte fast sagen, dass Malaika gleichzeitig noch ein Bauernhof ist, da es neben den Ziegen noch Hunde, Kühe, Truthähne, Hennen und Hasen gibt. Die Eier sowie die Milch und das Fleisch kommen also direkt aus Malaika und müssen nicht gekauft werden. Hinter der Wiese erstreckt sich ein riesiger Garten. Die Mitarbeiter zeigten uns stolz die Mangos, Papayas, Avocados, Kochbananen sowie traditionelle Gemüse Sorten und Kartoffeln. Sogar die Passionsfrüchte waren schon am blühen. Am nächsten Tag zeigten mir die Kinder wie ich einen Eimer auf dem Kopf tragen konnte, um mit ihnen die Tomaten im Gewächshaus zu gießen. Wohlgemerkt ist das eine Frauen Sache, die Jungs waren mehr beschäftigt damit Wasser aus dem Brunnen für uns zu pumpen.

Seit einiger Zeit hat das Kinderheim sogar einen eigenen Fischteich um den Kindern eine gute Ernährung zu gewährleisten.Alles was im Garten wächst und lebt kann also direkt auf den Teller gebracht werden, ohne Dinge kaufen zu müssen. Gekocht wird mit Feuerholz das im eigenen Miniwald abgeholzt werden kann. In Planung sind nun eine Solaranlage, da es durch den Anschluss an das Stadtnetz häufig zu Stromausfällen kommt.

Wenn sich ein Kind verletzt oder z.B Malaria bekommt kann es direkt gegenüber im Health Center versorgt werden, den dieser gehört zum Kinderheim. So kam es dazu das ich den kleinen Barack mit seinen blutigen Wunden zur Krankenstation brachte. Da aber der tägliche Starkregen nach seiner Behandlung einsetzte warteten wir 1h bis wir wieder zurück gehen konnten. Jetzt im März zur Regenzeit kann man sich darauf verlassen, dass es jeden Tag einen kräftigen Schauer gibt und die Luft danach herrlich frisch und kühl ist. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass die steinigen und erdige Straße dann nicht mehr staubig ist.

Die Mitarbeiter hier in Malaika sind außerordentlich gastfreundlich und immer für ein Schwätzchen zu haben. Gleich am ersten Tag sprach ich 3 Stunden mit Nelphine. Sie ist die Enkeltochter von Asuna und hat die Position Assistant Direktor hier in Malaika. Was auf jeden Fall neu für mich ist, ist dass die Menschen hier sehr viel Zeit haben und alles sehr langsam von statten geht. So wird man schnell in ein langes Gespräch verwickelt oder man trifft sich erst 2 Stunden später als zur vereinbarten Uhrzeit. Daran musste ich mich natürlich erstmal gewöhnen aber man passt sich schnell an diesen Lebensstil an und geht alles etwas gelassener an. Das genieße ich mittlerweile sehr ! Im diesem Sinne Hakuna Matata

Jambo

So grüßen wir uns hier in Malaika und ich grüße dich wenn du meinen ersten Blogartikel liest 😉

Nach langem Warten, Packen und Organisieren ging es am 6.3 endlich los! Gemeinsam mit Willy und seiner Frau Asuna (sie ist Kenianerin) flog ich von Frankfurt von Nairobi. Als wir schließlich im Taxi auf dem Weg zum Hotel waren und ich die lauwarme Nachtluft durch das geöffnete Fenster auf meiner Haut spüren konnte würde ich sagen hat das Abendteuer in Kenia für mich erst wirklich begonnen. Ich genoss den fremden Geruch und schlief mit Wohlwollen zu einem lauten Singvogel, afrikanischer Straßenmusik und Verkehrslärm ein. Ich war nun einfach in einer ganz anderen Welt angekommen. Das stand fest. Am nächsten Morgen ging es dann weiter mit dem Flieger nach Kisumu, die nächst größere Stadt bei Kakamenga. Ich konnte so Nairobi auch mal bei Tag aus der Luft beobachten, sah einen riesigen Vulkan, große Wälder, viel Landwirtschaft und zuletzt den Viktoria See der direkt bei Kisumu liegt und sich aufgrund seiner Größe über die Ländergrenze nach Uganda bis nach Tansania erstreckt.

Wir wurden von zwei Mitarbeitern mit dem berühmten Malaika Bus abgeholt, der in der Gegend allseits bekannt ist und meistens mit einer Schar voll Kindern gefüllt ist, die sich auf einen Ausflug freuen. Willy wollte, dass ich noch ein bisschen Kisumu sehen konnte und so fuhren wir durch die Innenstadt. Je weiter wir uns vom Flughafen entfernten, desto mehr war ich eindeutig die einzige weise Person hier. Es war ziemlich spannend zu sehen, wie die Menschen auf mich reagierten. Viele Kenianer fiengen an zu tuschelten, zu lachten, zeigten mit dem Finger auf mich oder starrten mich an aber dank meiner kleinen einheimischen Gruppe mit der ich unterwegs war, machte mir das alles nicht wirklich etwas aus. Wir hielten schließlich an einem Fischmarkt direkt am Viktoriasee. Ich konnte dabei zusehen wie die Frauen am Ufer den Fisch ausnahmen und er dann 100 Meter weiter direkt frisch für uns gegrillt wurde. Das war wirklich der beste Fisch, den ich je in meinem Leben gegessen habe. Mit den Fingern versteht sich und dazu noch Ugali(den traditionellen Maisbrei) und ein traditionelles Bier namens Tusker, dass nach den Stoßzähnen der Elefanten benannt wurde.

Danach ging es aus der Stadt Richtung Kakamenga. Was mir besonders aufällt ist, dass sich das Leben hauptsächlich draußen auf der Straße abspielt. Es waren einfach so viele Eindrücke davon, was die Leute am Straßenrand taten und verkauften sodass ich sie gar nicht alle aufschreiben kann aber vielleicht hilft euch ja das Bild dazu es sich ein wenig vorzustellen.

Die letzen 20 Minuten der Fahrt ging es über eine sehr holprige Straße zu den Toren des Kinderheims. Die Kinder waren anfangs etwas schüchtern, sie stellten sich aber ganz freundlich vor und so wanderten beinahe 100 Hände an mir vorbei, um mich persönlich zu begrüßen. Die Kinder sangen uns dann noch ein Willkommenslied. Asante sana Jesu mojoni !- das heißt übersetzt Danke Jesus von ganzem Herzen ! Gemeinsam mit Nelfine und dem Sozialarbeiter Calvin drehten wir danach noch eine Runde über das Gelände. Sie zeigten uns stolz die Ställe verschiedenster Tiere, den Fischteich und die riesige Plantage auf der bereits rießige Mangos wuchsen. 😋Über die geniale Nachhaltigkeit hier in Malaika werde ich in einem anderen Artikel dann mehr berichten.

Auf unserer Tour begleitete uns die kleine Charleen, die mich zunächst nur ängstlich und mit großen Augen ansah. Doch nach einiger Zeit nahm plötzlich eine winzig kleine Hand meine eigene. Das Mädchen gab mir stolz ein Stück Erde das von Termiten bearbeitet worden war und ich schenkte der kleinen mein Haargummi. Damit war das Eis zwischen und gebrochen und Charleen begann nun zu lachen und mit mir zu spielen.Hier wurde mir bewusst, dass ich das Vertrauen der Kinder als weise Frau erst gewinnen musste, damit sie sich mir öffnen können und das braucht manchmal eben ein bisschen Zeit. Der lange Tag endete schließlich mit einem angenehmen Sommer Gewitter bei 30 Grad, singenden und tanzenden Kindern um mich herum und herrlich frischer Ananas. Soweit meine Eindrücke von Tag 1

Bis Bald eure Amelie

Wie alles begann…

Es ist schon sehr lange her, dass in mir der Wunsch aufkam Malaika zu besuchen. Damals bei meiner Konfirmation war Willy Schneider, der Gründer des Kinderheims anwesend und erzählte dort von seiner Arbeit in Kenia. Schon damals mit 13 Jahren fasste ich so den Entschluss, eines Tages diesen Ort zu sehen. Eigentlich war all das schon längst wieder in meinen Hinterkopf gerückt, bis zum Herbst letzten Jahres. Es gab einfach viel zu viele Ereignisse, die danach riefen, dass ich bald nach Kenia gehen sollte. Zuerst waren es nur Zeitungsartikel, Radionachrichten und Fernsehreportagen, die plötzlich immer wieder von Kenia berichteten. Kurz darauf traf ich Leute die im afrikanischen Ausland Einsätze gemacht hatten. Dann laß ich eine Karte in einem Schaufenster auf der stand: „Das leben ist zu kurz für irgendwann“ und viele weitere kleinere Hinweise kamen hinzu. Ich weiß für manche von euch mag es verrückt klingen aber ich weiß, dass mich Gott genau an diesem Ort haben möchte. Also wage ich das Abendteuer und bin gespannt was mich erwartet